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Mein Leben mit dem Reizdarm-Syndrom

Ich war so Anfang 20, hatte mich schon länger mit Durchfall und Verstopfung im Wechsel, gequält. War in einer mäßig guten Beziehung (die so langsam zu scheitern drohte) und war mitten in der lernintensiven Ausbildung zur Physiotherapeutin. Stress war also zu der Zeit mein stetiger Begleiter. Auch hatte ich viel an Gewicht verloren, obwohl ich große Mengen essen konnte (häufig Fastfood und Süßigkeiten als Nervennahrung). Mein damaliger Partner war so ziemlich neidisch, wieviel ich verschlingen konnte und auch Süßigkeiten, aber dennoch an Gewicht verloren hatte.

Daraufhin wurde ich vom Hausarzt zu einer Magen-Darm-Spiegelung geschickt, wo eben Reizdarmsyndrom festgestellt wurde. Mit Anfang 20 habe ich da nicht viel darüber nachgedacht, ich war eigentlich nur froh dass nichts schlimmeres bei der Diagnostik herauskam.

Also blieb ich weiter meinem ungesunden Lebensstil treu, Fastfood, Süßigkeiten und Rauchen. Alles was man zum Lernen als Nervennahrung benötigte. Das einzige was ich veränderte, da dies einen Großteil meiner Stresssituation ausmachte, war die damalige Beziehung, die ich letzendlich beendete. Das verbesserte aber nur minimal meine Symptome.

Mit der Zeit, wo sich die Bauchschmerzen, der geblähte Bauch und der ständige Wechsel von Durchfall und Verstopfung verstärkten… auch häufige unangenehme Blähungen (so ungern man  darüber spricht)… veränderte ich nach und nach meine Lebensweise.

Lebensumstellung

Zum einen hörte ich mit dem Rauchen  auf, aber eher aus Gründen der Hashimoto (wegen meinem Kloßgefühl im Hals, wo das Atmen mir immer schwerer fiel). Auch versuchte ich häufiger Sport zu treiben, klappt aber mal besser, mal schlechter. Das liegt daran, wenn meine Hashimoto-Thyreoditis aktiv ist, dann auch noch mein Eisenmangel mir zu schaffen macht und dann auch noch der Reizdarm sich meldet, sind die Bedingungen nicht gerade optimal um Sport zu treiben. Vor allem daher, weil man körperlich richtig im Eimer ist. Man sagt ja gerne „Kleinvieh macht auch Mist“, so ist das mit meinen kleinen Diagnosen, die ich über die Jahre erhalten habe. Die aber in der Summe einen völlig Lahm legen können. Daher, körperliche Belastbarkeit = Null Komma Null!

Auch wenn ihr euch fragt, was hat denn Sport mit dem Reizdarm zu tun? Ein sportlicher Ausgleich, wie z.B. Yoga (was ich seit kurzem betreibe) oder auch Bewegung in der freien Natur, wirken sich positiv auf unser Immunsystem aus. Also somit auch auf unsere Darmflora, die auch an der Abwehr von Krankheitserregern beteiligt ist.

Yoga

Ich finde Yoga hat eben auch einen positiven Nebeneffekt auf den Darm und die Verdauung. Die Innere Ruhe die mir vermittelt wird, aber auch die bewusste, tiefe Atmung bei den Übungen, die meinen Körper und Geist in einen Ruhezustand versetzt. Bei bewusster, tiefer Atmung, bewegt sich nämlich das Zwerchfell, welches wie eine Kuppel über unseren Verdauungsorganen liegt. Und somit die Bauchorgane massiert, auf diese einwirkt und dadurch die Verdauung anregt.

Weiterhin bemerkte ich einen Unterschied bei laktosefreien Produkten. Ich habe mir eine Laktoseunverträglichkeit nie untersuchen lassen, aber beim Trinken von Milch oder beim Müsli, fiel mir auf, dass ich danach einen übelsten Blähbauch und Bauchschmerzen hatte. Ich habe die Milch einfach auf laktosefrei umgestellt und das hatte Erfolg.

Nichts desto trotz, weiß jeder Reizdarm-Betroffene, dass sich trotz der ganzen Umstellung und veränderten Lebensweise, die Symptome nicht einfach in Luft auflösen. Aber die Lebensqualität verbessert sich dennoch.

So schön es auch immer ist, bei vielen Betroffenen zu lesen: „Das und jenes hat mir geholfen“ – doch weiß man selbst, das diese Methoden nicht zwangsläufig auch mir helfen müssen.

Im Moment oder seit einem Jahr bin ich an einem Punkt, wo mein Darm sich verschlechtert hat. Eigentlich auch zunehmend nach der Geburt meiner Tochter. Natürlich muss ich hier im Blick behalten, dass es auch eine stressigere Phase gab. Da auch meine Hashimoto (nach der Hormonumstellung)  mich in eine starke Unterfunktion katapultierte. Daher hatte ich auch häufiger Schlafstörungen. Zusammenfassend wirkte sich das alles auch auf meinen Darm aus. Aber eins finde ich dennoch schwierig, und das ist eine Ernährungsumstellung (mit Kind).

Unverträglichkeiten

Ich vertrage kaum rohes Gemüse oder Obst, beispielsweise Tomaten, Zucchini, Salate (nur ab und zu)  Paprika, Ananas, Bananen, Beeren usw… auch vertrage ich kaum noch Müsli, Haferflocken, alles was mit Nüssen oder Kerne sind, Champignons… ich habe auch versucht mich Glutenfrei zu ernähren, hab aber kaum einen Unterschied bemerkt.

Im Moment habe ich meine Symptome einigermaßen im Griff, wenn ich mich immer gleich ernähre, eher einseitig. Das bedeutet, morgens ein Wurstbrot, mittags oft mageres Fleisch mit Reis oder Kartoffeln. Oder ab und zu mit Nudeln. Karotten, Erbsen, Mais und Gurke sind meine gängigen Beilagen auf dem Teller. Ab und zu mal ein Apfel, funktioniert, aber wirklich nur ab und zu.

Meinen Süßigkeiten-Bedarf habe ich auf zwei Schokoriegel am Tag reduziert, zu meinem morgendlichen Kaffeegenuss. Ab und zu ersetze ich den Schokoriegel, durch ein Nutella Brot, aber auch da habe ich nicht soviel Probleme damit.

Zaubermittel

Mein Wunsch wäre, ein Zaubermittel zu haben, wo ich alle Nahrungsmittel wieder besser vertrage!

Im Moment sind meine einzigen Zaubermittel Magen-Darm-Tees, Bachblüttentee, Innere Ruhe Tee‘s und eben Yoga.

Ein weitaus größeres Problem, sind aber für mich größere Veranstaltungen und Feierlichkeiten. Es kam schon vor, dass ich auf Hochzeiten von Freunden oder Verwandtschaft, in der Embryostellung am Boden liegend am Klo verweilte, weil ich erneut Bauchkrämpfe hatte. Oder vor einem Konzert erstmal ein paar Stunden auf der Kloschüssel verbrachte.

Wie willst du das den Leuten erklären?!

Auch merke ich natürlich, die Verbindung des Aufgeregt-seins vor größeren Ereignissen und dem daraus resultierenden “flotten Otto“.

Aber was soll man dagegen tun?  Ich hoffe durch Yoga, eben eine innere Ruhe zu finden, um meinen Darm in bestimmten Situationen beruhigen zu können. Aber Fakt ist, dass gerade in Restaurants oder auf Feiern du keinen Einfluss darauf hast, was wirklich in den Speisen steckt.

Im grossen und ganzen, kann man schon sagen, dass der Reizdarm dein Leben mitbestimmt und auch einen großen Einfluss auf dein Wesen und deine Lebensqualität hat.

Einen schönen Blog zum Thema Reizdarm habe ich auch gefunden. Und zwar ist das der Blog von Britta, die sich seit über 20 Jahren mit dieser Thematik beschäftigt und auch Rezepte hierfür anbietet. Es sind auch Tipps dabei, die ich selbst mal probieren werde. Ihren Blog findet ihr unter folgendem Link https://www.lebenmitreizdarm.de/ueber-mich/

In diesem Sinne

#reizdarmsyndrom

#lebensumstellung

#lebensqualität

Isabella

 

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4 thoughts on “Mein Leben mit dem Reizdarm-Syndrom

  1. Liebe Frau Decker, leider kann ich Ihnen bei allem was Sie berichten zustimmen, denn mir geht es genau so.
    Evtl. mit dem Unterschied, dass ich vor fast 20 Jahren als so die ersten Untersuchungen gemacht und „nichts“ gefunden wurde, noch so in eine Schiene von wegen Einbildung gedrückt wurde.
    Bis jetzt hat mir leider noch überhaupt nichts wirklich geholfen.
    Ich habe Anfang diesen Jahres angefangen zu meditieren, gelingt mir allerdings nicht jeden Tag.
    Den von Ihnen erwähnten Blog schaue ich mir auf jeden Fall an.
    Ich wünsche Ihnen, dass sie einen Weg finden, mit dem Sie zumindest wieder Lebensqualität zurück gewinnen, denn die leidet doch ganz erheblich.
    LG

    1. Liebe Frau Haas, vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider ist das heutzutage oft so, dass man bei verschiedenen Symptomen die der Patient äußert, die erstmal nicht standardmäßig sind, von den Ärzten in die psychische Schublade geschoben wird. Es ist traurig und manchmal dauert es sehr lange bis man einen guten Arzt gefunden hat, der einem auch zuhört, über den Tellerrand hinausschaut. Zu dieser Thematik habe ich auch schon mal einen Beitrag verfasst „Funktioniert unser Gesundheitssystem menschenwürdig?“, falls Sie mal Lust haben dies zu lesen?!
      Das Sie zu Meditieren begonnen haben, finde ich große klasse. Es ist bestimmt der richtige Schritt, da auch Stress, Kummer und Sorgen sich häufig negativ auf unseren Magen-Darm-Bereich auswirken, vor allem bei Reizdarm-Betroffenen. Ähnlich ergeht es mir beim Yoga, hierbei merke ich, dass ich doch einiges verändern kann. Aber die Diagnose bleibt dennoch bestehen. Man hat manchmal ganz schlimme Tage, aber auch wieder gute Tage, an denen ich mich versuche festzuhalten. Klappt mal besser, mal schlechter.
      Ich versuche selbst viel im Internet zu recherchieren, bei anderen Leidensgenossen nachzulesen, habe aber bisher auch noch nicht das „Wundermittel“ für mich bzw. für meine Beschwerden gefunden.

      Ich wünsche Ihnen auch alles Gute.

      Liebe Grüße
      Isabella

  2. Hallo Isabella,
    danke für deinen super Beitrag zum Thema Reizdarm! Reizdarm ist ja doch eher noch ein Tabuthema. Ich kann deine Frustration total gut nachvollziehen, wenn der Speiseplan immer weiter eingeschränkt wird und die Lebensqualität schon alleine dadurch auf den Tiefpunkt sinkt.
    Ich bin ganz deiner Meinung, dass das Problem Reizdarm nicht in die „psychische Schublade“ geschoben werden sollte, das ist zu kurz gegriffen und ignoriert Themen wie Darmflora und Ernährung komplett. Und trotzdem kann ich eine begleitende Therapie uneingeschränkt empfehlen, denn die ständigen Schmerzen, Diäten und der „Was habe ich jetzt wieder falsches gegessen?!“-Stress sind nicht zu unterschätzen. Ich glaube, du bist auf einem guten Weg. Nicht aufgeben!
    Und danke, dass du meinen Blog gefunden hast und ihn weiterempfiehlst!
    Herzlich,
    Britta von http://www.lebenmitreizdarm.de

    1. Hallo Britta, ich danke dir für deinen Kommentar!
      Ich finde deinen Blog sehr informativ und es tut gut zu lesen wie andere Leidensgenossen mit den Beschwerden umgehen.
      Ich habe für mich zwar schon die Lebensweise verändert, allerdings fehlt es mir hier noch an der ärztlichen Fürsorge oder Hilfe. Auch eine richtige Beratung zu dieser Thematik. Ich habe beispielsweise nach einer Suhlprobe letztes Jahr, die Ergebnisse bekommen, mit der Aussage „man vermutet eine zusätzliche Fettresorptionsstörung und ein Wert (mein Darm würde zu wenig Schleim produzieren) wäre nicht in Ordnung“. Weiterhin meinte der Hausarzt „da kann man nicht viel machen“.
      Auf eine Beratung hin, mit einem nicht mehr praktizierendem Arzt (Bekannter der Familie), hat mir dieser erneut eine Magen-Darm-Spiegelung empfohlen mit Gewebeentnahme der Schleimhäute von allen Darmbereichen. Das Problem ist, das die letzten 2 Darmspiegelungen nicht ausführlich durchgeführt werden konnten, da ich jedes Mal auf die Abführmittel enorm erbrechen musste, wie auch letztes Jahr.
      Das Ende vom Lied, mir wurde gesagt es gäbe keine Alternativen bei den Abführmitteln, daher kann man mich nicht weiter untersuchen.
      Ich stehe nun da, mit nicht aussagekräftigen Befunden und seit letztem Jahr zunehmenden Beschwerden, die sich jetzt anders äußern als die Jahre zuvor.
      In der Apotheke wurde mir ein Produkt mit dem Bifido-Bakterienstamm empfohlen, als Behandlung für das Reizdarm-Syndrom. Allerdings habe ich hier auch schon schlechte Erfahrungsberichte gelesen, wie z.B. Von Öko-Test?!
      Naja, nun bleibe ich weiterhin auf der Suche und meine Hoffnung stirbt zuletzt 😉!

      Liebe Grüße
      Isabella

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