Beitrag

Die Frage nach Gerechtigkeit

Könnt ihr euch vorstellen…
ihr werdet operiert, die OP verläuft im Nachhinein nicht so optimal, ihr bekommt zunehmend Schmerzen, euer Allgemeinzustand verändert sich schlagartig. Höchstwahrscheinlich war die Gründlichkeit bei der OP nicht gegeben. Im Nachgang müsst ihr zusätzlich, ein zweites Mal, aber diesmal Notoperiert werden.
Es hätte übel ausgehen können, aber die Not-OP konnte schlimmeres verhindern. Ihr seid dankbar, dass es nochmal gut ausgegangen ist. Aber dennoch wünscht ihr euch ein klärendes Gespräch mit dem Operateur, warum die erste OP nicht so gut verlaufen ist.
Dieser Operateur hat einen guten Ruf und eine gute OP-Statistik. Also würde ein klärendes Gespräch helfen zu verstehen, warum es zu dieser Not-OP kommen musste.
Ihr wartet…
Aber es passiert nichts. Es werden euch unterschiedliche Assistenzärzte geschickt, die aber keine konkrete Antwort geben können.

Ihr fragt nach dem Operateur. Aber es heißt, er hat keine Zeit.
Du bist enttäuscht. Aber nach etlichen Tagen im Krankenhaus, bist du froh darüber wieder endlich nach Hause zu kommen.

Nachsorge

Die Nachsorge findet beim zuständigen Operateur statt. Du fragst nach dem Verlauf der ersten OP und fragst nach, warum es zu der Not-OP kommen musste. Der Operateur antwortet: „das ist nun mal so“. Es wäre von seiner Seite aus, alles in Ordnung gewesen.
Du gehst nicht weiter darauf ein, denn du bist nicht der Typ Mensch, der die Leute mit Fragen belästigt. Vor allem wenn du merkst, der Mensch dir gegenüber, ist nicht besonders empfänglich oder kritikfähig.
Zu Hause jedoch, bemerkst zunehmend dass die Folgebeschwerden nach diesen Operationen, dich im Leben immer mehr einschränken. Ja sogar dazu führen, dass du beim Treppensteigen häufiger stolperst und stürzt.

Beschwerden nach der Operation

Da die Nachsorge beim Operateur über mehrere Wochen, ja sogar Monate andauert, erzählst du von deinen Folgebeschwerden nach der OP und hoffst auf Hilfe.
Aber dem Operateur gefällt nicht was du sagst, denn in seiner OP-Statistik gibt es keine wirklichen Folgebeschwerden. Er kommentiert dies damit, dass das nicht sein kann.
Deine Beschwerden schränken aber dein Leben so sehr ein, dass du nur mit einem erhöhten Risiko, in deinen handwerklichen Beruf zurückkehren könntest. Es könnte dich sogar deine Gesundheit kosten.
Daher fragst du erneut den Operateur, was du mit deinen Beschwerden machen kannst? Denn in einem Alter kurz vor der Rente, und auch noch auf Baustellen tätig, mit den Folgebeschwerden die dich zum Stürzen bringen, hast du selbst Bedenken wieder in das Berufsleben zurückzukehren.
Die Antwort des Operateurs ist auch hier wieder: „Die Krankschreibung würde schon viel zu lange andauern“. Du musst, laut dem Operateur, wieder arbeiten gehen! Und dieser ignoriert erneut deine Folgebeschwerden!

Nach deinem zweiten Sturz, verursacht durch die Folgebeschwerden, hast du einen erneuten Termin bei deinem Operateur. Du erzählst ihm davon, dass du auf den operierten Bereich gefallen bist und einige starke Hämatome davon trägst, und du zunehmend Schmerzen durch den Sturz hast.
Der Operateur möchte davon nichts wissen, sagt nur, dass du in einer Woche deine Wiedereingliederung in das Berufsleben antreten musst. Und er verabschiedet dich, mit dem Satz „bitte nicht nochmal stürzen“.
Das war ein Schlag ins Gesicht! Du merkst plötzlich, dass es womöglich ein Fehler war, sich von diesem Menschen operieren zu lassen. Du bist innerlich sauer, aber deine Wut hält nicht lange an. Denn du motivierst dich selbst mit dem Spruch „ich nehme das Leben so wie es kommt. Mache das beste daraus“. Und da du ein Mensch bist, der das Leben immer locker genommen hat, ja sogar schlimme Schicksalsschläge überstanden hat und dennoch immer gute Laune versprüht hat, bist du nicht besonders nachtragend, wenn Menschen dir gegenüber Fehler machen.


Aber der Sturz hat Folgen. So das du ein Tag, nachdem du beim Operateur warst (welcher den zweiten Sturz nicht ernst nahm, dich noch nicht einmal untersucht hat), du erneut ins Krankenhaus musst und erneut operiert werden musst. Da die Hämatome, in der Nähe deiner vorherigen Narben, so stark eingeblutet haben, das diese aufgeschnitten werden müssen.
Deine Familie ist wütend, enttäuscht, aber vor allem geschockt das dieser Operateur, weder deine Folgebeschwerden ernst nahm. Noch interessierten ihn, nicht einmal deine vielen Hämatome und Prellungen nach diesem Sturz.

Konfrontation

Deine Familie möchte Stellungnahme und konfrontiert den Operateur schriftlich mit seinem falschen Verhalten, wenn nicht sogar ignoranten Verhalten. Die Familie wird noch wütender über seine Aussagen, denn der Operateur behauptet nun, zum einen noch nie etwas von diesen Folgebeschwerden gehört zu haben. Und zum anderen, sagt er, die Prellungen erschienen ihm nach der Schilderung des Patienten, nicht so schlimm.

Aber dennoch hat er es, noch nicht einmal für nötig gehalten, sich die Prellungen anzusehen!
Aber als Fachmann, kann man anscheinend über den Schreibtisch hinweg, durch das T-Shirt des Patienten hindurch erkennen, wie stark die Hämatome wirklich sind?! Ernsthaft?
Als Familie des Geschädigten, möchtet ihr erneut den Operateur mit Fragen löchern und vor allem wissen, warum er diese Folgebeschwerden nicht sehen möchte?
Aber der Geschädigte selbst – der Patient den es betrifft – der Mensch der in allem schlechten, immer das Gute sieht — möchte nicht, dass die Familie weiterhin den Operateur befragt. Der Geschädigte sagt sogar: „Es ist die Mühe nicht wert. Er ist Arzt und sitzt immer am längeren Hebel, ihr könnt sowieso nichts bewirken. Spart euch die Kraft, für wichtigeres im Leben auf.“ Für ihn, den Patienten, ist die Geschichte erledigt, denn er wird diesen Arzt nicht mehr aufsuchen!

Die Frage nach Gerechtigkeit!

Für mich stellt sich aber eine ganz andere Frage:

Lohnt es sich für Gerechtigkeit zu kämpfen?

Denn in vielen Bereichen oder generell im Leben, existiert eine Hierarchie. Eine Rangordnung, wo Menschen höher gestellt sind, als wir selbst. Sei es der Arbeitgeber über seinen Angestellten. Die Ärzte über ihren Patienten. Die Politiker über ihre Bürger.

Diese haben auch mehr Mittel und Möglickeiten, wenn es zu einem “Kampf“ kommt.

Fragen

Können wir gegen höher gestellte Menschen ankämpfen, wenn diese uns nicht richtig oder nicht gerecht behandeln?

Oder ist es verschwendete Zeit und Mühe, da man sowieso keine Chance hat zu gewinnen?


Die Frage ist auch, ob wir überhaupt so einen langen Atem haben, um gegen mächtigere Menschen anzukämpfen…?

Ich habe die oben genannte Geschichte natürlich nicht mit all ihren Details beschrieben, da die Person hier wahrscheinlich nicht im Fokus stehen möchte. Aber diese Geschichte ist nicht erfunden, diese Geschichte ist vor kurzem genauso passiert, wie ich es geschildert habe.
Aber warum macht diese Situation, die Familie viel wütender, als die Person selbst die das Leid erfahren muss?
Ich bewundere das, aber ich weiß auch, wenn man selbst Geschädigter ist, dann hat man oft nicht mehr die Kraft für seine Gerechtigkeit zu kämpfen. Und manchmal macht es Sinn, dass sich Menschen, die dich lieben, sich für dich mit aller Kraft einsetzen.

Aber eins hab ich selbst, dennoch aus dieser Situation gelernt:
Kämpfe nur, wenn sich das Kämpfen auch lohnt.
Mein Gerechtigkeitssinn ist sehr ausgeprägt, aber es kann im Leben nicht alles gerecht verlaufen. Das ist bei Menschen, bei soviel unterschiedlich existierenden Menschen, bei den bestehenden Hierarchien einfach nicht möglich.
Also versuche ich mich auch mehr in Gelassenheit zu üben. Mich nicht mehr, in meiner Wut zu verlieren. Da bestimmte Kämpfe keinen Erfolg haben werden.
Ich versuche meine Kräfte für das wichtige im Leben aufzusparen. Für meine Familie da sein. Mehr Gelassenheit, um meiner Gesundheit nicht zu schaden. Meinen inneren Frieden finden.

Was meint ihr dazu?

In diesem Sinne

#gerechtigkeit

#gesundheit

#kämpfenurwennsichdaskämpfenlohnt

#innererfrieden

Isabella

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.